Unsere Liebherr Modelle - Kräne

 

 

Liebherr HS 853HD

Wie alles begann
Auf einer Zweitagesveranstaltung eines in der nähe ansässigen Modellbauvereines fanden wir einen relativ großen Berg Erde vor, der im Laufe des Tages durch Bagger, Radlader und Kipper abgetragen wurde und auch Straßenzüge bekam. Bei dem abendlichen Fachsimpeln wurde dann die Idee geboren nicht nur Erde abzutragen sondern auch etwas aufzubauen – nur wie und was? Zu dem was kommen wir später. Es fehlt ein Kran welcher sich auch da bewegen kann wo die Baumaschinen fahren. Ein Kran mit Kettenlaufwerk .
Die nächsten Wochen verbrachte ich damit Prospekte und Infomaterial zu besorgen, bei dem Suchen stieß ich auf eine Bauplanmappe eines Universalbaggers bei dem Verlag für Technik und Handwerk, dieser war mir bei meinem Bauvorhaben recht hilfreich. Nach eingehendem studieren des Infomaterials fertigte ich Schablonen aus Karton an um die Proportionen der einzelnen Baugruppen festzulegen. Die Materialwahl war recht einfach, der Raupenkran sollte aus Aluminium und Messing entstehen.

Fahrwerk
Im ersten Bauabschnitt sollte der Unterwagen entstehen. Der Unterwagen wurde in zwei Abschnitte unterteilt; In den Grundträger und in die Fahrwerkskassetten. Der Grundträger entstand aus 1,5mm Alu-Blech. Das Alublech wurde nach Schablonen zugeschnitten und später in Verbindung mit Alu-Winkel zu Querträgern verklebt und zusätzlich mit 2mm Senkkopfschrauben verschraubt. Für die Aufnahme des Schwenkwerks kam eine 5mm dicke Aluplatte als Verbindung auf die Querträger. Die Fahrwerkskassetten wurden aus dem Vollen gefräst, gleich mit den Aufnahmeböcken für die Laufrollen. Das vordere Laufrad (Leitrad) bekam noch einen Kettenspanner, welcher aus einer starken Druckfeder bestand. Um die Vorspannung der Kette einstellen zu können fertigte ich einen verstellbaren Anschlag. Dieser wird über eine Zylinderschraube verstellt, so ist es möglich eine gute Kettenvorspannung zu erzielen. Es wurden die Lauf–Stützrollen aus Alu gedreht und mit Kugellager versehen. Als Achswellen verwendete ich Silberstahlwellen mit dem Durchmesser von 4 und 5mm.
Die Kettenglieder (Raupenketten) bestellte ich mir. Der Aufbau des Unterwagens ging recht gut von der Hand. Als Antrieb entschied ich mich für kleine Getriebemotoren. Meine Wahl viel auf Glockenankermotoren mit einer Leistung von 16 Watt bei 12 Volt. Die Kraft sollte reichen um dem Kran später auch bewegen zu können. Die Getriebemotoren wurden seitlich an die Fahrwerkskassetten angebracht und mit Winkelgetriebe mit dem Turasgetriebe angeflanscht. Ich legte großen Wert aus die Servicefreundlichkeit; Nach dem lösen von zwei Schrauben ist es möglich die Getriebeeinheit leicht aus dem Fahrwerk zu entnehmen. Auf die Spurbreitenverstellung hab ich aus Platzgründen verzichtet, der dadurch gewonnene Platz füllt jetzt ein Empfänger, Zwei Fahrtenregler, ein Nimh Akku und ein Teil des Zentralbalastes aus. Mit dieser Maßnahme konnte ich auf eine Drehdurchführung verzichten, dadurch sind Ober und Unterwagen unabhängig voneinander zu bedienen, ohne Gefahr zu laufen irgendwo ein Kabel durch häufiges Drehen zu beschädigen. 

Schwenkwerk
Die Verbindung zwischen Ober- und Unterwagen übernimmt das Schwenkwerk. Die Drehkränze, welche im Handel angeboten wurden, erschienen mir zu schwach für mein Vorhaben. Da war selbstbauen angesagt! Als Grundstock diente mir ein Kugelträger von einem Drucklager, nur die Lagerschalen waren für meine zwecke nicht geeignet. So wurden die Lagerschalen selbst gefertigt. Nach dem Drehen der Schalen wurden diese hartverchromt, poliert und mit den Aufnahmeschalen zu einer Einheit verschraubt. Als Antrieb dient ein Getriebemotor, der über Planetengetriebe auf den Innenzahnkranz eingreift. 

Oberwagen
Die Grundplatte ist aus 4 mm Alu-Blech entstanden. Um die auftretenden Lasten aufnehmen zu können sind die Querträger in 6mm gefertigt worden und mit der Grundplatte verklebt. Zusätzlich wurde nochmals alles miteinander Verschraubt. Die drei Windwerke und das Auslegeranlenkstück fanden ihren Sitz in den Querträgern. Auch hier in Kugellager. Nun musste die Entscheidung fallen, ob es ein Seilbagger oder ein Kran werden soll, der Unterschied liegt darin wie die Windentrommeln angetrieben werden sollen. Bei einem Seilbagger müssen beide Trommeln auch Synchron laufen können, dies wird über Überlagerungsgetriebe erreicht oder für den Schürfkübeleinsatz müsste eine Freifalleinrichtung gebaut werden. Dies erschien mir zu aufwendig und vielleicht auch zu störungsanfällig, ich entschied mich für einen Kran, da ich mir einen größeren Spielwert versprach –was auch später so eintraf.
Die Winden werden über je ein Glockenanker-Getriebemotor mit einer Leistung von 25 Watt bei 12 Volt und über einen Schneckenradsatz angetrieben. Warum ein Schneckenradsatz wird sicher nun die Fragen kommen, durch die Bauart des Schneckenradsatzes ist es nicht möglich die Winden zu bewegen ohne dass der Motor läuft. Der Vorteil eines Schneckenradsatzes liegt in der Selbsthlatung, dadurch ist auch kaum Last auf den Getriebemotoren.
Die Windentrommeln sind auch aus Alu gefertigt und die Achswellen sind aus 6mm Silberstahl. Sämtliche Verkleidungen des Aufbaus inklusive Fahrerkabine wurden aus 1,5mm Alu-Blech gefertigt, die sich mit wenigen Handgriffe zur leichteren Wartung abnehmen lassen. Erwähnenswert währe noch das sämtliche Aluteile mit der Laubsäge unter Verwendung von Sprühöl ausgeschnitten wurden. Dadurch war es auch möglich geringe Spaltmaße für die Türen und Klappen zu erreichen, das Öffnen der Türen und Klappen ermöglichte ich mit Miniaturscharnieren welche mit Schrauben M1,4 befestigt wurden. 

Ausleger
Nun stellte sich die Frage der Materialwahl; Alu oder Messing? Hier bevorzugte ich Messing. Mir erschien die Verbindung der Materialien durch Löten einfacher. Sämtliche Segmente des Gittermastauslegers wurden aus Messingrohr gefertigt. Die Längszüge wurden aus 7mm Rohr und die Diagonalen aus 4mm Rohr hergestellt. Nach Festlegen der einzelnen Längen der Mastteile wurden die Messingrohre auf Maß gebracht und durch Hilfe einer Bohrschablohne die Löcher für die 4 mm Rohre gebohrt. Anschließend wurden die Messingrohre in die Lötschablone gelegt und unter vorsichtiger Hitzeverteilung weich verlötet. Bei gleichmäßigem Erwärmen der Messingteile ist die Gefahr eines Verziehens sehr gering, nach dem Auskühlen der Mastteile kamen diese auf die Richtplatte zur Kontrolle und evl. einer Nacharbeit. So entstanden folgende Mastteile des Auslegers: ein Auslegeranlenkstück, ein Zwischenstück, zwei verschiedene Auslegerköpfe und der Verstellausleger mit sämtlichen Umlenkhebeln. 

Tauwerk
Als etwas schwieriger stellte sich die Beschaffung des Seiles heraus, nach langen suchen wurde ich dann in einer Wimpelnäherei fündig. Das Seil ist geflochten und gleich schwarz eingefärbt, die Mindestabnahmemenge von 300meter ließ mich kalt. So wurden die zwei Hauptwinden mit je 80 Meter Seil versehen, denn man weiß ja nie was noch kommt. Die Seiltrommel der Auslegererstellwinde ist doppeltwirkend d.h. zwei kleine Trommeln nebeneinander, jede Trommel wickelt nur die hälfte der Seilmenge auf, dadurch Arbeitet das System schneller, nur das Einscheren des Seiles ist etwas aufwendiger. 

Anschlagmittel
Als Anschlagmittel sind z.Z. drei Hackenflaschen vorhanden; eine ohne Seilrolle, eine mit einer Seilrolle, und eine mit zwei Seilrollen. Ohne Seilrolle ist für leichte/schnelle Hubarbeiten vorgesehen, je mehr Seilrollen in der Hackenflasche vorhanden sind desto größer darf die zu hebende Last sein – je langsamer ist die Hubgeschwindigkeit. Die Gewichte der Hackenflasche sind bei einer Flasche mit zwei Seilrollen doppelt so hoch wie nur bei einer Rolle. Denn der Haken muss ohne last das Seil durch sein Eigengewicht abziehen können. 

Ballastierung
Das Gegen- oder auch Kontergewicht wurde aus einem Stück gefräst. In meinem Fall aus Alu, wo dann noch Taschen eingefräst wurden um diese dann wieder mit Stahl und Bleikugeln zu füllen. Des Weiteren wurde die Option vorgesehen zusätzlichen Ballast aufnehmen zu können. Hier kommt das Hebelgesetz zum Tragen. Last x Lastarm =Kraft x Kraftarm. Das heißt, dass was vor dem Drehpunkt angehängt wird, muss hinter dem Drehpunkt angeflanscht werden sonnst kippt der Kran um. Beispiel: wenn eine Last von 1000g 200cm vom Drehpunkt entfernt gehoben wird, muss zum Ausgleich bei einem Abstand von 20cm zum Drehpunkt 10.000g angehängt werden.
1/3 des Kontergewichtes hab ich in form von Bleigewichten und den Hauptakku im hinteren Teil des Oberwagens als Zentralballast untergebracht, das Gewicht ist gerade ausreichend um die Mastteile heben zu können ohne gleich den Drehbühnenballast anflanschen zu müssen. 

Farbgebung
Als der Kran nun endlich im Rohbau fertig vor mir stand, kam die Stunde der Wahrheit. Funktioniert alles so wie geplant und was noch viel wichtiger war hält alles? Die Tests werden es zeigen. Nachdem der Kran einige Betriebsstunden sein Dienst absolvierte, konnte mit den Lackiervorbereitungen begonnen werden. Zu diesem Zweck musste nun der komplette Kran wieder in sämtliche Einzelteile zerlegt werden. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir erstmals bewusst aus wie viele Teile der Kran besteht, was in einer Bauzeit von zwei Jahren alles gefertigt worden ist. Alle Teile wurden nun gereinigt, grundiert und mit Decklack versehen, was sich über mehrere Tage hinzog. Nach dem Durchtrocknen der Teile konnte mit der Endmontage begonnen werden. 

Elektrik
Nun wurde es etwas entspannter, denn die Elektrik ist nicht ganz so aufwendig. Als Betriebsspannung wurde bei Baubeginn 12Volt festgelegt. Ein feinfühliges Steuern der Getriebemotoren war hier ein muss, darum entschied ich mich für einen feinfühligen Fahrtenregler mit denen bin ich bis heute noch sehr zu frieden. Es wurden Insgesamt sechs der Regler verbaut, zwei Stück im Unterwagen zur Ansteuerung der Raupenketten und vier Stück fanden im Oberwagen ihren Platz zur Ansteuerung der drei Winden und dem Schwenkwerk. Bei dem Einbau der RC-Anlage kam mir der Gedanke gleicht einen Ausenanschluß für RC und Betriebsspannung einzubauen. So ist es möglich über ein externe. Stromversorgung und über DSC –Betrieb den Kran zu fahren ohne andere Fahrer zu stören. Die externe Stromversorgung übernimmt in meinem Fall eine KFZ Batterie mit 34 Ah die ihren platz in einem Baucontainer findet. Auch die Beleuchtung sollte nicht zu kurz kommen, es wurden Arbeitsscheinwerfer im Oberwagen und an den Auslegern angebracht, eine Kabinenbeleuchtung und eine rote Toplampe an der Mastspitze durfte auch nicht fehlen. 

Zubehör
Als Zubehör sind die Dinge gemeint, die man an den Haken hängt und das, was den Spielwert des Modells steigert. Da gibt es z.Z. einen Materialcontainer, einen Bürocontainer für die verdienten Arbeitspausen, einen Betonkübel, Fertighausteile und div. Ketten und Hebesysteme. Dies wird aber sicher im laufe der Zeit noch mehr werden. Da fällt einem immer noch was ein das noch Spaß machen könnte .

Fakten und Zahlen 

Grundgerät in Transportstellung

Länge mit Auslegeranlenkstück                       680mm
Breite Laufwerk                                               325mm
Breite Oberwagen                                            240mm
Höhe                                                                 270mm
Gewicht                                                            24000 g
Drehbühneballast                                               8000 g
                                 Optional                          + 7000g
 

Mastlängen je nach Ausführung von 780mm (Kopf und Fußteil ) bis hin zu einer Länge von 2780mm mit Verstellausleger und einem Zwischenstück von 1000mm

In diesem Modell wurden 180 Kugellager in verschiedenen Größen und bis jetzt 120 Meter Messingrohr verbaut.

Zum Schluss möchte ich mich noch bei meiner Familie für die aufgebrachte Geduld während der vielen Stunden die ich im Hobbykeller verschwunden war bedanken. 

Wolfgang Poth